Schloss Fürsteneck liegt auf einer schroffen, bewaldeten, hufeisenförmigen Bergzunge etwa 60 Höhenmeter über der Wolfsteiner Ohe, die unmittelbar danach bei Kilometer 24 oberhalb Passau in die Ilz mündet. Das Schloss liegt eingebettet in eine der schönsten Flusslandschaften Bayerns mit Ilz, Wolfsteiner Ohe und Osterbach und ist Ausgangspunkt reizvoller Wanderungen.

Schloss Fürsteneck
Adrian Forster

Schloss Fürsteneck wurde als Burg Ende des 12. Jahrhunderts erbaut und diente dem Bistum Passau zur Sicherung der Grenze gegen das Herzogtum Bayern. Die erhaltene mittelalterliche Bausubstanz umfasst den Bergfried, den Torturm und Teile der Außenmauern, auf denen spätere Bauten wie das Schloss errichtet wurden. Der Zugang von Norden über einen steilen Halsgraben führt über eine Steinbrücke.

Seit dem 16. Jahrhundert Schloss
Der imposante Bergfried, aus Granitbruchstein gemauert, ist ca. 30 m hoch, dürfte jedoch ursprünglich etwa 10 m höher gewesen sein. Die unteren Mauern sind knapp vier Meter stark und verjüngen sich im oberen Bereich auf 2,50 m. Der Wehrturm ist mit einem Pyramidendach vor Verfall geschützt und enthält die vier Glocken der Pfarrkirche. Auch der mittelalterliche Torturm besitzt ein Dach und dient heute als Wohnung mit drei über einanderliegenden Räumen.

Im 16. Jahrhundert wurde nach einem Brand der Wohntrakt erweitert und um die zwei Seitenflügel ergänzt. Fürsteneck bekam schlossähnlichen Charakter und wird seitdem auch als Schloss bezeichnet. In den Palas gelangt man über einen Vorraum (ca. 30 mI), dessen Decke aus einem vierteiligen Kreuzgratgewölbe besteht. Durch eine auf 1688 datierte Eisen- und Holztürkombination betritt man den Hauptraum (ca. 60 mI), dessen vier Kreuzgratgewölbe auf einem mächtigen Mittelpfeiler ruhen. Die Fensternischen vermitteln
einen Eindruck der Mauerstärke von ca. 1,5 m, die aus dem Mittelalter herrührt. Der Haupttrakt beherbergt im 1. Stock die Schlossgaststätte, im 2. Stock zehn Hotelzimmer. Die Seitenflügel sind mit je zwei Wohnungen ausgebaut.

Im 18. Jahrhundert wurde die gotische Burgkapelle durch eine prachtvolle Barockkirche
ersetzt, die zu den schönsten im südlichen Bayerischen Wald zählt. Der Hauptaltar zeigt die Taufe Christi durch Johannes den Täufer, dem die Kirche geweiht ist. Die beiden Seitenaltäre stellen Heilige dar. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schloss kapelle als Nebenkirche der Pfarrei Perlesreut für die umliegenden Ortschaften genutzt. Die damaligen Eigentümer ermöglichten durch Schenkungen die Gründung einer eigenen Pfarrei Fürsteneck. Heute steht die ehemalige Schloss- und jetzige Pfarrkirche mit dem Bergfried als deren eigenständiger Besitz in der Anlage. Die Schloss- und heutige Pfarrkirche wurde von 2005 bis 2007 renoviert.

Säkularisation und Privatisierung
Im Zuge der Säkularisation fiel Burg/Schloss Fürsteneck über Umwege an Bayern. Das fürstbischöfliche Landgericht im Schloss wurde aufgelöst, die Anlage verlor alle wichtigen Funktionen und wurde 1814 verkauft. Seitdem ist das Schloss in Privatbesitz. Über drei Vorgänger erwarb im Jahr 1921 die Familie Forster die Anlage. Der Einbau einer Brauerei und die Integration einer Landwirtschaft in die historische Bausubstanz erfolgte – auch auf Grund der begrenzten Mittel der jeweiligen Eigentümer – wenig sensibel ohne Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte. Die Anlage musste primär wirtschaftlichen Zwecken dienen. Brände in den Jahren 1924 und 1964 zerstörten alte Bausubstanz, boten aber auch die Chance zu einigen Sanierungen.

1964 wurde die Landwirtschaft, 1979 auch die Brauerei eingestellt. Nach Aufgabe der defizitären Gewerbe konzentrierte die Familie Forster ihre Mittel und Kräfte auf die Sanierung und Gestaltung der Anlage. Seit dieser Zeit mussten auch keine Mittel der öffentlichen Hand in Anspruch genommen werden. Obwohl nicht alle Bausünden aus der Zeit von Land- und Brauwirtschaft zurückgebaut werden konnten, macht der Komplex nun einen gepflegten Eindruck. Alle Gebäudeteile sind mit Wohnungen, der umfangreichen Gastronomie mit Hotelzimmern und zwei Ausstellungsräumen sinnvoll genutzt. Im Außenbereich befinden sich Werkstätten, Räume für die Forstwirtschaft und Hackschnitzelbunker. Eine Besonderheit stellt der in Granitfels mit einer Tiefe von etwa 10 m gehauene ehemalige Eis- und Bierkeller dar, der bei besonderen Anlässen geöffnet wird. Er legt ein eindrückliches Zeugnis der früheren Brauaktivitäten ab.

Kunst und Kultur
In einem Nebengebäude, der »alten Wache«, lebte und wirkte bis zu seinem Tod 1994 der Maler, Graphiker und Lyriker Josef Fruth, um dessen Werk sich neben seiner Familie der Atelierkreis Josef Fruth kümmert. Einige Gemälde und Graphiken können in Räumen des Schlosses angeschaut werden. Seit 2010 finden in einer neu gestalteten, ehemaligen Werkstatt im Untergeschoss des Haupttrakts zweimal pro Jahr Kunstausstellungen mit Sammlungen der Eigentümerfamilie sowie lokalen und auswärtigen Künstlern statt. Seit 2008 wird am dritten Adventswochenende ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt abgehalten.

Die vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. 2008 im ehemaligen Stallgebäude des Schlosses eingerichtete Informationsstelle zum Thema Ilz stellt anschaulich die Bedeutung der Ilz und ihrer Zuflüsse mit dem einmaligen naturbelassenen Charakter dar.


Die Ilztalbahn verfügt über eine Haltestelle am alten Bahnhof Fürsteneck an der Ohe. Von hier erreicht man alle Flusswanderwege und das Schloss in etwa 20 Minuten zu Fuß.


Schlossbesichtigung
Die beiden Innenhöfe der Anlage mit allen denkmalgeschützten Gebäuden sind tagsüber offen.
Nicht alle Räumlichkeiten sind zugänglich. Bergfried und Torturm sind nicht begehbar. Nur in Ausnahmen sind Führungen möglich. Die ehemalige Schlosskapelle und heutige Pfarrkirche ist täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnrt

Schlossgaststätte
Schlossweg 5
94142 Fürsteneck
Tel. 08505-1473
www.schloss-fuersteneck.de
(Dienstag Ruhetag).
Der Palas des Schlosses kann über den gastronomischen Betrieb besichtigt werden.

Ilz-Infostelle von 9.30 bis 16.30 Uhr (außer Dienstag) geöffnet.